Professor Dr. György Dénes liest mit Bürgermeister Rodermann in der Dudweiler Chronik.

Professor Dr. Dénes hat viel zu erzählen: Er war in unserer Schule und hat uns - Schülerinnen und Schülern der Neuner-Klassen - die Hölle des KZ Theresienstadt beschrieben. Heute ist er 87 Jahre alt. Er wurde im Süden Ungarns geboren. Als Hitler 1944 in Ungarn einmarschierte, studierte György Dénes Geschichte und Jura in Pésc, einer Stadt im Süden des Landes. "Schon wenige Tagen nach dem Einmarsch hatte ich den gelben Stern auf meiner Brust", erzählte Dénes, und noch im selben Jahr kam er ins Durchgangslager Bergen-Belsen. Auf die Frage, wie es im Lager ablief, erzählt uns Dr. Dénes, dass jeweils zwei Häftlinge auf einem schmutzigen, verlausten Strohsack schlafen mussten. Seuchen und Krankheiten waren sehr verbreitet. Tag für Tag litten die Häftlinge unmenschlichen Hunger, auch zu trinken bekamen sie zu wenig. Im Laufe der Zeit wurde das Essen noch weniger, denn die Front kam näher. "Es war eine schreckliche, fast unerträgliche Zeit, die Hölle", so Dr. Dénes. Man könnte sagen, sie seien in die Steinzeit zurückversetzt worden, da sie fast alles im Freien machen mussten und unter primitivsten Umständen leben mussten.

Noch im Frühjahr 1945 - zehn Tage bevor die Alliierten das Lager Bergen-Belsen befreiten - wurde Dénes verlegt in das Konzentrationslager Theresienstadt, in dem seit Anfang der vierziger Jahre tausende von Menschen umgebracht wurden oder an den unmenschlichen Bedingungen starben. Schon auf der Zugfahrt nach Theresienstadt starben alle Freunde von György Dénes, durch Hunger oder durch Luftangriffe. Dr. Dénes selbst sprach von einem Wunder, dass er diese Zeit überlebt hat. Am Ende der Fahrt war er so geschwächt, dass er von den SS-Leuten zwischen die Toten geworfen wurde. Mit den Sterbenden oder bereits Toten wurde er auf den Dachboden einer Kaserne geschleppt. Er hatte aber großes Glück, denn am nächsten Tag kam eine Mitgefangene, die ihn durch Zufall aus seinem Heimatort in Ungarn kannte und feststellte, dass er noch lebte. Sie sorgte dafür, dass er auf die Krankenstation gebracht wurde und durch diesen Zufall - oder dieses Wunder - erholte er sich und fand ins Leben zurück.
Im Mai 1945 wurde er mit den anderen Überlebenden von den Alliierten aus Theresienstadt befreit. Die Häftlinge waren nur noch Haut und Knochen; Dr. Dénes sagt, er habe vor seiner Gefangenschaft 70 Kilo, danach nur noch 30 Kilo gewogen. Sogar nach ihrer Befreiung starben noch 12.000 bis 14.000 Menschen an den Folgen der Unterernährung und der Schwäche. Nachdem er zwei Monate im Krankenhaus gelegen hatte, um wieder zu Kräften zu kommen, kehrte er nach Pésc zurück und studierte weiter: zunächst parallel Geschichte und Jura, promovierte schon 1947 und lehrte dann Geschichte an der Universität von Pécs. Aber im Jahre 1956 ging er mit seinen Studenten zusammen auf die Straße, um gegen die kommunistische Diktatur in Ungarn zu demonstrieren. Er wurde verhaftet und nach drei Monaten zwar wieder freigelassen, aber Geschichte als ‚politisches Fach' durfte er nicht mehr unterrichten. So studierte er ein neues Fach: Geologie. Bis er 1983 in den Ruhestand ging, war er Professor und beschäftigt sich mit den unterirdischen Wasserreserven seiner Heimat. Im Ruhestand wurde er Vorsitzender des Vereins der KZ-Überlebenden in Ungarn.

Zum Abschluss des Vortrags in unserer Schule überreichte der Dudweiler Bürgermeister Walter Rodermann György Dénes eine Chronik von Dudweiler und bat ihn, sich in das goldene Buch der Stadt einzutragen.

Interessant für uns waren auch die Reaktionen unserer Mitschülerinnen und Mitschüler. Sie fanden keine Worte, um zu beschreiben, was in ihnen vorging, als sie hörten, was Prof. Dr. Dénes erlebt hat, unsere Nachfragen bei ihnen bestätigten das. Sie waren bedrückt und schockiert. Niemand konnte sich in die Lage von Dr. Dénes versetzen. Sie fanden es beeindruckend, dass er so offen über die damaligen Erlebnisse sprechen konnte. Viele gaben zu, dass ihnen an seiner Stelle der Mut dazu fehlen würde. Wenn wir unsere Jugend mit der von Dr. Dénes vergleichen, können wir wirklich glücklich sein.


Autorinnen: Esra Rahmani-Zade und Isabelle Groß, 9e

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